Allgemein, IRC Deutschland Programmarbeit

Prävention. Versorgung. Teilhabe.

Rückblick auf den dritten IRC-Fachdialog zu mentaler Gesundheit in der Migrationsgesellschaft

Am 21. September fand im Tagungsbereich der WeiberWirtschaft eG in Berlin bereits zum dritten Mal der jährliche Fachdialog statt – mittlerweile schon eine kleine IRC-Tradition.

Im Mittelpunkt steht dabei jeweils der Austausch zu Gelingensfaktoren und -ansätzen im Kontext verschiedener thematischer Schwerpunkte. In diesem Jahr kamen unter dem Titel „Prävention. Versorgung. Teilhabe. Gemeinsam für mentale Gesundheit in der Migrationsgesellschaft“ rund 80 Expert*innen aus Praxis und Forschung, Migrantinnenselbstorganisationen, Start-ups, Stiftungen und weiteren NGOs zusammen, um sich zu einem Thema zu vernetzen, das über die einzelne Projektarbeit des IRC hinausgeht.

Durchgehend prägende Fragen waren dabei unter anderem:

  • Wie kann ein national gedachtes Versorgungssystem Menschen mit transnationalem Leben gut begleiten?
  • Welche Belastungen für die mentale Gesundheit entstehen erst nach der Ankunft in Deutschland – und wie lassen sie sich verringern?
  • Wo helfen digitale Angebote schnell weiter, und wie kann Mehrsprachigkeit noch stärker als Schlüssel genutzt werden?

Zwei Workshop-Phasen, ein Ziel

Um diesen Fragen nachzugehen, gliederte sich der Tag in zwei Workshop-Phasen mit je vier Workshops: Zunächst richtete sich der Blick auf die Praxis der zivilgesellschaftlichen Programmarbeit, anschließend auf die Brücken zwischen Gesundheitssektor und Zivilgesellschaft. Dazwischen setzte eine Keynote wichtige Impulse.

Workshop-Phase I: Mentale Gesundheit in der zivilgesellschaftlichen Programmarbeit

Anhand von Eindrücken aus laufenden Projekten ging es in vier Workshops um prägende Aspekte mentaler Gesundheit, die wesentlicher Bestandteil unterschiedlich ausgerichteter IRC-Programmarbeit sind. Vorgestellte Beispiele kamen aus den Bereichen Bildung & sichere Lernräume (Projekte Tragweite und Peace in Mind, mit Inputs unserer Projektpartner MHI – Mental Health Initiative und ODN Poznań), Beratung & Unterstützung beim Arbeitsmarkteinstieg (Projekte DABEI! und Aufwind), Elternarbeit & Empowerment (Projekte FMD und FgZ, gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Sunflower Care e.V.) sowie Fachberatung & Peer-Ansätze (mit Fokus auf das Anti-Trafficking-Projekt Lichtblicke, mit einem Beitrag unserer Partnerorganisation SOLWODI Deutschland e. V.).

Nach der ersten Workshop-Phase folgte mit der Keynote „Jenseits von Kulturerklärungen: Zugehörigkeit, Teilhabe und transnationale Lebenswelten“ von Prof. Dr. Rebekka Ehret (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, Vorsitzende des Dachverbands der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, DTPPP e. V.) ein besonderes Highlight. Prof. Ehret hatte extra den weiten Weg aus der Schweiz nach Berlin auf sich genommen. Mit ihrem Vortrag schärfte sie den Blick auf das Zusammenspiel von Prävention, Entstigmatisierung und Teilhabe, insbesondere auch im strukturellen Kontext, und leitete damit in die zweite Workshop-Phase und sektorübergreifende bzw. verbindende Gelingensfaktoren über.

Workshop-Phase II: Brücken bauen zwischen Gesundheitssektor und Zivilgesellschaft

Angereichert durch Input-Beiträge von Expert*innen aus der klinischen Versorgung und von Universitäten sowie von Organisationen, die in der direkten Versorgung tätig sind, waren die vier Workshops von vielschichtigen Diskussionen geprägt. Neben den Herausforderungen für eine bessere Zusammenarbeit und Verzahnung von Regelsystem und Zivilgesellschaft standen dabei vor allem gelingende Ansätze und Best Practices im Vordergrund. Es war uns eine Freude, auf der Basis von thematischen Beiträgen zu „digitalen Ansätzen“ (Workshop II) von Dr. Laura Nohr (FU Berlin) und Juliane Pougin (krisenchat), zu „Mehrsprachigkeit“ (Workshop II) von Prof. Dr. Mike Mösko (UKE Hamburg & Hochschule Magdeburg-Stendal) & Dr. Elizabeth Beloe (Vorstand des Bundesverbands NeMo) und zu „gestuften und ganzheitlichen Versorgungsansätzen“ von Prof. Dr. Elisa Pfeiffer (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) & Liliana Marinho de Sousa (XENION e.V.) in den Austausch zu gehen.

Zum Thema „Eltern, Kinder und Jugendliche“ (Workshop II) berichteten Dr. Areej Zindler (Flüchtlingsambulanz UKE Hamburg) & Birke Siebenbürger (Refugio München) von ihrer Arbeit und stellten heraus, dass es Multiplikator*innen braucht, die bei der Identifikation von Therapiebedarfen und beim Akt der Anmeldung unterstützen und Familien bei allen Schritten begleiten. Ebenso zentral sei die Investition von zeitlichen Kapazitäten bei der Aufnahme in einem psychosozialen Zentrum. Für nachhaltigen Therapieerfolg sei systemisches Arbeiten unabdingbar und die gesamte Familie muss mit einbezogen werden, ebenso wie Sozialarbeiter*innen, Jugendamt, Schule und weitere Bezugspersonen.

Das ist nur ein Ausschnitt – es gab noch viele weitere Eindrücke und Diskussionen, die hier keinen Platz mehr fanden. Für einen tieferen Einblick, schauen Sie gerne in unsere Agenda des Fachdialogs 2026.
Ein großes Dankeschön an alle, die den Fachdialog organisiert haben, und an alle Teilnehmenden für ihren Input und die gemeinsame Suche nach Lösungen.

Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. Wer jetzt schon Ideen hat: Melden Sie sich gerne bei uns!