Schutz und Rechte

TIES

Das EU-geförderte Projekt TIES (Transnational Initiative on Enhancing early (Self)Identification of Victims of labour exploitation and forced criminality) setzt sich für den Schutz und die Stärkung von Drittstaatsangehörigen ein, die von Arbeitsausbeutung oder Ausbeutung strafbarer Handlungen bedroht oder betroffen sind.

Schutz für Betroffene von Arbeitsausbeutung und Ausbeutung strafbarer Handlungen
Beschreibung: Schutz für Betroffene von Arbeitsausbeutung und Ausbeutung strafbarer Handlungen online und vor Ort
Zeitraum: Juni 2025 – Mai 2027
E-mail: Filip.Mitrovski@Rescue.org

Ansatz

Das Projekt TIES verfolgt einen dreistufigen Ansatz:

1. Selbstidentifikation fördern

Durch Digital Streetwork, mobile Beratung und zielgruppengerechte Aufklärungskampagnen werden potenzielle Betroffene direkt angesprochen – online und offline. Ziel ist es, ihnen Informationen über ihre Rechte, Schutzmöglichkeiten und Unterstützungsangebote zugänglich zu machen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Jugendlichen, die oft schwer erreichbar und besonders gefährdet sind.

2. Fachkräfte sensibilisieren

Akteure wie Polizei, Justizvollzug, Kommunen und Sozialdienste werden durch Schulungen und Materialien in die Lage versetzt, Anzeichen von Ausbeutung zu erkennen und Betroffene sicher weiterzuvermitteln.

3. Systeme stärken

Auf nationaler und EU-Ebene bringt TIES Fachorganisationen, politische Entscheidungsträger*innen und Betroffene zusammen, um Empfehlungen für bessere Identifikations- und Schutzmechanismen zu entwickeln und zu verbreiten.

Partner und Standorte
TIES wird in drei Ländern umgesetzt und ist ein gemeinsames Projekt von vier Partnerorganisationen:

OrteOrte

Fallbeispiele

*Namen und Details wurden verfremdet

Malik* ist ein jugendlicher Drittstaatsbürger und lebt in Griechenland. Er arbeitete in einem Restaurant, 6 Tage pro Woche jeweils 9 bis 10 Stunden, und wurde dabei unterhalb der gesetzlichen Standards bezahlt. Sein Arbeitgeber meldete ihn auch nicht an und gab ihm keinen Arbeitsvertrag, sondern bezahlte ihn in bar. Während einer Infoveranstaltung im Rahmen des TIES-Projekts berieten ihn spezialisierte Sozialarbeiter*innen von ARSIS zu seinen Arbeitsrechten, den Risiken von informeller Arbeit und zu möglichen Unterstützungsangeboten. Mit seinem Einverständnis wurde er an geeignete Beratungsangebote vermittelt. Die Arbeit im Restaurant beendete er und meldete sich für eine Fortbildung an, um sich beruflich weiterzubilden.

Samir* kam aus Marokko nach Italien, nachdem ihm ein Bekannter einen Job inklusive Unterkunft und Unterstützung versprochen hatte. Stattdessen wurde er getäuscht und musste – in Italien angekommen – dem Bekannten zusätzlich Geld für angebliche Verwaltungsverfahren zahlen. Über ein Jahr arbeitete Samir auf Feldern in der Landwirtschaft ohne Vertrag, zu sehr niedrigem Lohn und unter wiederholter Androhung von Gewalt. Nachdem er auf Dedalus über die TIES-Social-Media-Kampagne auf Facebook aufmerksam geworden war, und mit der Beratungsstelle Kontakt aufgenommen hatte, erhielt er rechtliche und psychosoziale Unterstützung. Er meldete seinen Bekannten und andere Täter*innen bei den Behörden und beantragte als Betroffener von Menschenhandel internationalen Schutz. Heute arbeitet er als Gärtner und besucht einen Italienischkurs, um sich eine Zukunft in Italien aufzubauen.

Masha* floh aus der Ukraine nach Deutschland und nahm eine angeblich reguläre Stelle in einem Hotel an. Statt fairer Arbeitsbedingungen erlebte sie Ausbeutung: Sie musste lange Arbeitszeiten ohne ausreichende Ruhepausen leisten, erhielt einen sehr niedrigen und unregelmäßigen Lohn und wohnte unter schlechten Bedingungen. Durch ein TIES-Infoevent von JADWIGA erkannte sie ihre Situation als Arbeitsausbeutung. Mit Unterstützung der Beratungsstelle konnte sie die Ausbeutungssituation verlassen, erhielt Schutz und eine Aufenthaltserlaubnis als Betroffene von Menschenhandel und fand später eine reguläre Beschäftigung mit fairen Arbeitsbedingungen.

Im Rahmen von TIES veranstalten wir sechs verschiedene Online-Webinare, in denen jede Partnerorganisation ihre bewährten Praktiken vorstellt. Die Aufzeichnungen der Online-Webinare können jederzeit auf unserer Website antitraffickingresponse.org angesehen werden.

TIES ist kofinanziert von der Europäischen Union.